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Phu Quy – Besuch auf einer unbekannten Insel

Auf meinen Reisen kreuz und quer durch Viet Nam für die neue Auflage unseres Vietnam-Reiseführers hatte ich von einer Insel gehört, Phu Quy (nicht zu verwechseln mit Phu Quoc), die hundert Kilometer vor der Küste und zwar ausgerechnet vor Mui Ne liegt – Mui ne ist eine der großen Touristenhochburgen Vietnams. Na, dachte ich mir, da muss ich hin …

.. obwohl gleich mein innerer Bürovorsteher zu mir sagte: Lass das, dafür hast Du gar keine Zeit, da sind noch massenhaft Orte, die Du abreisen musst, die schon im Buch stehen – und überhaupt, was für ein Blödsinn, noch mehr Rechercheaufwand – es fällt doch keinem auf, wenn die Insel nicht drin steht – die kennt doch eh keiner?!

Es stimmt allerdings: Es ist sehr schwer, auch nur rudimentäre Informationen über die Insel zu bekommen. Aber, hm … ist es nicht genau das, was mich reizt… und was diese Arbeit für mich auch nach Jahren noch immer wieder interessant und neu macht?

Also auf nach Phu Quy!

Besuch auf einer unbekannten Insel 

Nur alle 2–3 Tage macht sich eine Fähre auf den Weg nach Phu Quy; ich habe Glück, die nächste fährt gleich morgen. Plane, für 2 Nächte zu bleiben und die nächste Fähre zurück zu nehmen. Der Bürovorsteher gibt sein ok.

Also finde ich mich in aller Frühe am Hafen ein, zusammen mit einen vietnamesischen Freund, der, obwohl er sein Leben lang schon in dieser Gegend wohnt, ebenfalls noch nie auf Phu Quy war. Für mich praktisch: Ich habe einen Übersetzer dabei. Ich werde noch sehr froh sein darüber …

aber davon ahne ich noch nichts, als ich mir am Hafen noch schnell ein belegtes Brötchen mit allerlei kaltem Fleisch und ordentlich Chili besorge und die Fähre besteige – die eigentlich eher ein Frachter ist. Auf dem Vordeck grunzt, quiekt und muht der Proviant, während der Kapitän ganz viele Passagiere auf den Bug beordert, damit sich das Heck hebt und die Schiffsschraube sich drehen kann. Nach einigem Hin- und Her kommen wir frei und stechen in See.

   

Die See! – sie türmt sich zu 2–3 Meter hohen Wellen auf und lässt das Schiff ordentlich schaukeln. Mein Freund wird erst grün und verschwindet dann irgendwo unter Deck. Ich schaue mir die Kabinen an; jeder versucht zu schlafen, wo er oder sie kann, ich setze mich lieber an Deck und übe mich in einer ganz wichtigen Eigenschaft eines Reisebuchautors: Geduld.

   

6 oder 7 Stunden später kommen wir auf Phu Quy an. Ich muss mich bei der Polizei anmelden – das ist lange her, dass das mal irgendwo nötig war! – und werde in ein großes Buch eingetragen. Dabei kann ich sehen, dass vor mir in all den Jahren seit Bestehen dieser Polizeistation insgesamt etwas über 1000 Besucher auf die Insel kamen. Ich bin also nicht der erste. Und beim Einchecken in ein einfaches Guesthouse stelle ich fest: Hier gibt es durchaus westliche Besucher: Und zwar Kitesurfer. 6 Polen, 2 Israelis und ein Amerikaner – in den nächsten Tagen werde ich sie näher kennenlernen.

In den nächsten Tagen? – Ich wollte doch bloß einen Tag über die Insel fahren und dann wieder zurück? – Aber als ich am nächsten Tag das Ticket besorgen will, heißt: „Sorry, no boat, too much wind“, und das heißt es dann auch am nächsten Tag, und am übernächsten, und am überübernächsten …. alles in allem bleibe ich 6 volle Tage auf der Insel – mit An- und Abreise sind das 8. Nur gut, dass ich bei meinen Recherchereisen immer noch etwas Extra-Zeit für alle Eventualitäten einplane!

Was tun? Zunächst einmal: Die Grundversorgung sichern. Es gibt zwei winzige Restaurants auf der Insel, beide am Hafen – im einen gibt es ausschließlich eine einzige Suppe (die aber ganz gut schmeckt), das andere hat gleich ganz zu. Nun bin ich froh, mit meinem Freund unterwegs zu sein:

Der steht nämlich früh auf und besorgt früh morgens am Hafen frischen Fisch – zumindest in den ersten Tagen trauen sich noch einige Fischerboote auf’s windige Meer hinaus. So schwebe ich die nächsten Tage im Seafood-Himmel ….

   

Einmal schleppt mein Freund sehr merkwürdig aussehende Krabben an – ich denke zuerst, da liegt ein Alien auf meinem Teller. Der Geschmack – sehr gut, sehr fein – irgendwo zwischen Krebs und Hummer.

Am nächsten Tag mache ich mich auf die Spur dieses Wesens und finde einen Fischer, der einen ganzen Korb voll hat. Er sagt mir auch den Namen: Cua Huynh De – etwa „Krebs aus dem königlichen Geschlecht der Huynh“.

Ich nutze die Zeit: halb um zu schreiben, halb um die Insel gründlich zu erforschen. Im Norden entdecke ich eine Aquafarm, in der Muscheln gezüchtet werden, und im angeschlossenen Restaurant kann ich sie auch gleich probieren.

   

Bei einem Besuch im wichtigsten Tempel der Insel, der Linh Quang-Pagode, lerne ich den Tempelvorsteher kennen. Ich frage ihn (wie auch andere Bewohner der Insel), was sie denn von Touristen aus dem Westen halten.

   

They are so very welcome“, sagt der alte Mann, „we would like to welcome much more tourist here.“ Und als ich nachfrage, erfahre ich, dass es dabei nicht nur um das Geld geht, das die Touristen bringen – es geht auch darum, die Fremden kennenzulernen, sie zu beobachten – die Touristen bringen einfach Abwechslung: Denn ich glaube, der Alltag auf Phu Quy muss für die Bewohner doch ganz schön langweilig sein. Und auch ziemlich hart: Manchmal ist die Insel wochenlang nicht mit dem Schiff zu erreichen!

Welche Auswirkungen der Tourismus haben kann und wohl auch wird, habe ich schon bei meinem Besuch gelernt: Die freundlichen Nachbarn, deren Küche wir zum Zubereiten der Königlichen Krabben benutzen durften, haben gleich am nächsten Tag – vor ihrem Haus ein Restaurant eröffnet. Während ich über meinen Texten saß, hat mein Freund ihnen eine englisch-vietnamesische Speisekarte gemalt – und nun sitzen wir in einem brandneuen, quasi selbst gegründeten, tollen einheimischen Restaurant mit leckerer Hausmannskost und viel Seafood.

Ich bin schon sehr gespannt, was daraus geworden ist, wenn ich das nächste Mal wiederkomme.

Und ich werde vielleicht nicht der einzige sein: Denn Phy Quy steht ab jetzt im Buch, als Tipp für abenteuerlustige Traveller.

Mit allen wichtigen Infos, Tipps – und natürlich mit Karte 🙂  

UPDATE 2014: AKTUELL IST DIE INSEL NUR MIT OFFIZIELLEM PERMIT ZU BESUCHEN.

Hinweise zu den Unterkünften (und, soweit verfügbar, zu den aktuellen Besuchsregelungen) im Loose Travel Club.

 

 

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